Im Morgennebel

Es war sehr früh am Morgen. Dichter Nebel lag über den Wiesen. Wie weißer Dampf zogen undurchsichtige Schwaden über den Bach. In der Ferne brach kein Lichtstrahl durch die Wand aus hellgrauer Dämmerung. Die Stimme eines Vogels füllte die Stille mit geheimnisvoller Schwermut. Sehnsüchtig klang sein Lied. Es schluchzte in den Morgen: „Komm, warme Sonne, komm zarter Wind. Lass alle Blumen blühen. Komm, Frühling, du schönste aller Jahreszeiten.“

Langsam, ganz langsam legte sich der Dunst immer enger auf den Boden wie eine wärmende Decke.

Die ersten Sonnenstrahlen glitten sanft über diesen feuchten Wasserteppich. Der kleine Vogel flog auf einen Baum und schüttelte seine Flügel. Kleine Tautröpfchen spritzten auf und glitzerten in der Morgensonne wie Diamanten. Sorgfältig putzte der kleine Sänger sein Gefieder. Da raschelte auf dem Ast über ihm etwas, und er schaute nach oben.

Ein Vogelmädchen blickte nach unten. Ihre glänzenden Augen betrachteten ihn interessiert. Sie legte ihr Köpfchen auf die Seite und piepste leise, fragende Tönchen: "Ist das nicht ein herrlicher Morgen?" Ihre Blicke trafen sich. Die Beiden flatterten gleichzeitig auf und setzten sich nebeneinander.

Gemeinsam sangen das schönste Frühlingslied: "Der Frühling ist da".

In einem Haus am Waldrand wurde ein Fenster geöffnet. Eine Frau atmete die frische Morgenluft tief ein und lauschte dem schönen
Vogelgesang. Ihr Kind, das bis jetzt in seinem Bettchen geschlafen hatte, wurde wach. "Was für ein schönes Lied", sagte es noch ganz verschlafen.

"Das ist sind Nachtigallen, die so schön singen können", antwortete die Mutter. "Bleib noch ein bisschen liegen, und höre zu." Leise verließ sie das Zimmer. Das Kind lag in seinem warmen Bett und lauschte. Die kühle Luft roch würzig nach grüner Frische, dem Duft des frühen Morgens.

Im Wald 4 09

 Der weiße Blumenteppich in diesem Buchenwald besteht aus Buschwindröschen.

Jedes Jahr, wenn der Frühling kam, erinnerte sich der kleine Björn, der heute mein Opa ist, an diesen wunderschönen Vogelgesang.

Seinen Kindern und seinen Enkelkindern beschreibt er immer wieder die Natur, wie er sie erlebte: die morgendliche Kühle, die zum Fenster herein kam, die Stille des neuen Tages mit den singenden Vögeln, den Blick in den leicht diesigen Tag, den Geruch von frischer Luft, denDuft vom Frühling. Das alles blieb ihm unvergesslich. Und er erinnert sich gerne an seine Kindheit.

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